Die Erfüllung von Bolles Jugendtraum: Scharfenberg

Bolle erfüllte sich mit Scharfenberg einen Jugendtraum
An der Turmwand der Dorfkirche in Schöneberg befinden sich vier Grabtafeln aus Gußeisen, deren Umriß den Wappenschiiden aus der Zeit der Romantik entspricht. Die Inschriften in graziösen Frakturbuchstaben gedenken des 1850 verstorbenen David August Bolle, seiner Frau Henriette Auguste Caroline, geborene Marggraf, und zwei weiteren Familienangehörigen.
Wer in Berlin auf den Namen Bolle triffi, ist geneigt, diesen mit dem populären “Bimmel-Bolle” in Verbindung zu bringen, der ebenfalls auf Schöneberger Boden, in einem aufwendigen Mausoleum des Alten Matthäuskirchhofs an der Großgörschenstraße, zur letzten Ruhe gebettet ist.
Doch sind der aus Milow an der Havel gebürtige, dank persönlicher Tüchtigkeit vom Maurermeister zum millionenschweren Geheimen Kommerzienrat aufgestiegene Carl Bolle und unser David August Bolle nicht miteinander verwandt.
David August Bolle war Braueigner, Besitzer einer sehr einträglichen und schon im 18. Jahrhundert’ stadtbekannten Weißbierbrauerei in der Französischen Straße 9-10, wo sie bis 1896 bestand. In Schöneberg hatte er sein Herz an die “filia hospitalis” des Dorfkruges, Henriette Marggraf, verloren und sich dort 1832 ein Büdnergut für den Sommeraufenthalt gekauft, das bis 1888 im Besitz der Familie war und heute der Hausnummer 50 der Hauptstraße entspricht.
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Wozu dieser Exkurs, der doch nur mit den Bolles verwandte Familienforscher interessiert? Nun, dem David August und seiner Henriette wurde vor 150 Jahren, am 21. November 1821, in Schöneberg ein Sohn geboren, dessen Name im Zusammenhang mit der Insel Scharfenberg noch jetzt genannt wird und das auch verdient.
Dank der erfreulichen finanziellen Situation, in der sich sein Vater befand, war Carl Bolle nicht gezwungen, Weißbier zu brauen. Er konnte sich seinen Neigungen widmen, und diese waren seit früher Jugend auf die Naturwissenschaften ausgerichtet. Nach dem Besuch des Französischen Gymnasiums folgte das Studium an den Universitäten in Berlin und Bonn. Im Jahre 1845 nach Berlin zurückgekehrt, legte er hier ein Jahr später seine Dissertation “De vegetatione in Germania extra Alpes obvia” (über die alpine Vegetation in Deutschland außerhalb der Alpen) vor, obwohl er sich um die Ehren eines Doktors “in medicina et chirurgia” bewarb. Das medizinische Staatsexamen aber machte Bolle nicht. Er hatte die Heilkunde an den Nagel gehängt und seine gesicherten Lebensverhältnisse dazu benutzt, um künftig ausschließlich naturgeschichtlichen Liebhabereien nachzugehen.
Viele und weite Reisen führten den Dr. med. und eingefleischten Junggesellen Carl Bolle nach Madeira, zu den Azoren, auf die Kapverdischen und Kanarischen Inseln, die er botanisch gründlich untersuchte. Die Ergebnisse gelangten in stattlichen Herbarien an das Botanische Museum in Dahlem, wo sie im letzten Kriege bis auf geringe Reste vernichtet wurden.
“Ein lieblich Fleckchen unserer märkischen Erde Hab’ ich erwählet mir zum heimischen Herde, Darauf der Tage Rest, den Gott will geben,
In Grün und Stille harmlos zu verleben.”
So hat der begeisterte Amateurpoet Bolle im Jahre 1868 gedichtet und auf den ein Jahr zuvor getätigten Kauf der
168 Insel Scharfen berg angespielt. Diese größte und schönste
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der insgesamt sieben Inseln des Tegeler Sees war für ihn eine Art Jugendtraum gewesen, der sich dem 46jährigen Mann erfüllte.
Auf der 93 Morgen großen Insel hatte sich in den Jahren 1839 bis 1853, als sie dem Gastwirt Johann Bull gehörte, das “Dorado der Berliner Angler” befunden. Später war sie als Spekulationsobjekt von einer Hand in die andere gewandert, die mit dem Baumbestand wenig sorgfältig umgingen und ihn mehr oder minder dem Holzhacker überantworteten.
Zunächst war Dr. Bolle darauf bedacht, seinem Besitz durch konsequente Pflege des Schilfgürtels einen “äußeren Schutz gegen die zahlreichen Seepiraten ” zu geben. Bolle hatte auch erkannt – was die Bodensee-Insel Mainau, aber auch unsere Pfaueninsel auszeichnet -, daß. die großen Wasserflächen rund um seine Insel dank ihrer ausgleichenden Temperaturen die Nachtfröste des Frühjahres abhielten und so die ihm am Herzen liegenden Baumkulturen begünstigen. Wenn die .752 verschiedenen Arten der im Laufe der Jahre von Bolle auf Scharfenberg akklimatisierten Bäume und Sträucher gegenüber den 4000 Spezies des Späthschen Arboretums in Baumschulenweg oder gar den 18 000 Arteri des Botanischen Gartens in Dahlem kaum ins Gewicht fallen, so sind sie doch als aus eigenen Mitteln geschaffene Tat eines Privatmannes nicht hoch genug zu schätzen.
Vieles von dem, was Bolle anpflanzte, ist eingegangen; doch noch immer grünt und wächst es auf Scharfenberg zur Freude der Bewohner und der gelegentlich zugelassenen Besucher. Auch steht noch immer die altersschwache rohrgedeckte Fachwerkscheune, die schon “Bolle vorfand. Sein erstes Domizil, ein Fachwerkbau im Schweizer Stil an der Stelle des heutigen “Fährhauses”, ist früh verschwunden. Bolle ließ sich 1883 in der damals sehr beliebten deutschen Renaissance ein turmgeschmücktes Haus errichten, das lange der Schulfarm Scharfenberg als Hauptgebäude diente. Bis plötzlich festgestellt wurde,
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ersetzt werden müsse. Das ist dann auch 1959 geschehen; bedauerlicherweise, wie ich ausdrücklich feststellen möchte. Ich habe mir nämlich das zum Tode verurteilte, durchaus sanierungswürdige Haus kurz vor dem Abbruch gen au angesehen.
Natürlich auch die Schulfarm, die Wilhelm Blume, Studienrat am Humboldtgymnasium, auf einem Pfingstausflug 1918 in den Fläming angesichts des Schlosses Wiesenburg konzipierte und nach tastenden Anfängen zu Pfingsten 1919 in einem Waldarbeiterhaus in Stolpe und dem probeweisen Sommeraufenthalt einer Untersekunda mit drei Lehrern auf Scharfenberg während. der Monate Mai-Oktober 1921 ein Jahr später in die Tat umsetzte.
Wieweit die “erlebte und erlebbare Totalverbundenheit mit dem Boden”, die Blume einmal mit Sprangers Worten umriß, diese Robinsonade für die Jugend, pädagogisch gelungen ist, sei dem Urteil der (wie üblich nicht auf einen Nenner zu bringenden) Fachleute überlassen. Anmerken möchte ich nur, daß Charlottenburg bereits seit 1910 eine Waldschule unterhielt, Schöneberg und Wilmersdorf schon vor 1920 Gartenarbeitsschulen hatten.

An der Turmwand der Dorfkirche in Schöneberg befinden sich vier Grabtafeln aus Gußeisen, deren Umriß den Wappenschiiden aus der Zeit der Romantik entspricht. Die Inschriften in graziösen Frakturbuchstaben gedenken des 1850 verstorbenen David August Bolle, seiner Frau Henriette Auguste Caroline, geborene Marggraf, und zwei weiteren Familienangehörigen.

Wer in Berlin auf den Namen Bolle trifft, ist geneigt, diesen mit dem populären “Bimmel-Bolle” in Verbindung zu bringen, der ebenfalls auf Schöneberger Boden, in einem aufwendigen Mausoleum des Alten Matthäuskirchhofs an der Großgörschenstraße, zur letzten Ruhe gebettet ist.

Doch sind der aus Milow an der Havel gebürtige, dank persönlicher Tüchtigkeit vom Maurermeister zum millionenschweren Geheimen Kommerzienrat aufgestiegene Carl Bolle und unser David August Bolle nicht miteinander verwandt.

David August Bolle war Braueigner, Besitzer einer sehr einträglichen und schon im 18. Jahrhundert’ stadtbekannten Weißbierbrauerei in der Französischen Straße 9-10, wo sie bis 1896 bestand. In Schöneberg hatte er sein Herz an die “filia hospitalis” des Dorfkruges, Henriette Marggraf, verloren und sich dort 1832 ein Büdnergut für den Sommeraufenthalt gekauft, das bis 1888 im Besitz der Familie war und heute der Hausnummer 50 der Hauptstraße entspricht.

Wozu dieser Exkurs, der doch nur mit den Bolles verwandte Familienforscher interessiert? Nun, dem David August und seiner Henriette wurde vor 150 Jahren, am 21. November 1821, in Schöneberg ein Sohn geboren, dessen Name im Zusammenhang mit der Insel Scharfenberg noch jetzt genannt wird und das auch verdient.

Dank der erfreulichen finanziellen Situation, in der sich sein Vater befand, war Carl Bolle nicht gezwungen, Weißbier zu brauen. Er konnte sich seinen Neigungen widmen, und diese waren seit früher Jugend auf die Naturwissenschaften ausgerichtet. Nach dem Besuch des Französischen Gymnasiums folgte das Studium an den Universitäten in Berlin und Bonn. Im Jahre 1845 nach Berlin zurückgekehrt, legte er hier ein Jahr später seine Dissertation “De vegetatione in Germania extra Alpes obvia” (über die alpine Vegetation in Deutschland außerhalb der Alpen) vor, obwohl er sich um die Ehren eines Doktors “in medicina et chirurgia” bewarb. Das medizinische Staatsexamen aber machte Bolle nicht. Er hatte die Heilkunde an den Nagel gehängt und seine gesicherten Lebensverhältnisse dazu benutzt, um künftig ausschließlich naturgeschichtlichen Liebhabereien nachzugehen.

Viele und weite Reisen führten den Dr. med. und eingefleischten Junggesellen Carl Bolle nach Madeira, zu den Azoren, auf die Kapverdischen und Kanarischen Inseln, die er botanisch gründlich untersuchte. Die Ergebnisse gelangten in stattlichen Herbarien an das Botanische Museum in Dahlem, wo sie im letzten Kriege bis auf geringe Reste vernichtet wurden.

“Ein lieblich Fleckchen unserer märkischen Erde Hab’ ich erwählet mir zum heimischen Herde, Darauf der Tage Rest, den Gott will geben, In Grün und Stille harmlos zu verleben.”

So hat der begeisterte Amateurpoet Bolle im Jahre 1868 gedichtet und auf den ein Jahr zuvor getätigten Kauf der  Insel Scharfen berg angespielt. Diese größte und schönste der insgesamt sieben Inseln des Tegeler Sees war für ihn eine Art Jugendtraum gewesen, der sich dem 46jährigen Mann erfüllte.

Auf der 93 Morgen großen Insel hatte sich in den Jahren 1839 bis 1853, als sie dem Gastwirt Johann Bull gehörte, das “Dorado der Berliner Angler” befunden. Später war sie als Spekulationsobjekt von einer Hand in die andere gewandert, die mit dem Baumbestand wenig sorgfältig umgingen und ihn mehr oder minder dem Holzhacker überantworteten.

Zunächst war Dr. Bolle darauf bedacht, seinem Besitz durch konsequente Pflege des Schilfgürtels einen “äußeren Schutz gegen die zahlreichen Seepiraten ” zu geben. Bolle hatte auch erkannt – was die Bodensee-Insel Mainau, aber auch unsere Pfaueninsel auszeichnet -, dass die großen Wasserflächen rund um seine Insel dank ihrer ausgleichenden Temperaturen die Nachtfröste des Frühjahres abhielten und so die ihm am Herzen liegenden Baumkulturen begünstigen. Wenn die 752 verschiedenen Arten der im Laufe der Jahre von Bolle auf Scharfenberg akklimatisierten Bäume und Sträucher gegenüber den 4000 Spezies des Späthschen Arboretums in Baumschulenweg oder gar den 18 000 Arteri des Botanischen Gartens in Dahlem kaum ins Gewicht fallen, so sind sie doch als aus eigenen Mitteln geschaffene Tat eines Privatmannes nicht hoch genug zu schätzen.

Vieles von dem, was Bolle anpflanzte, ist eingegangen; doch noch immer grünt und wächst es auf Scharfenberg zur Freude der Bewohner und der gelegentlich zugelassenen Besucher. Auch steht noch immer die altersschwache rohrgedeckte Fachwerkscheune, die schon “Bolle vorfand. Sein erstes Domizil, ein Fachwerkbau im Schweizer Stil an der Stelle des heutigen “Fährhauses”, ist früh verschwunden. Bolle ließ sich 1883 in der damals sehr beliebten deutschen Renaissance ein turmgeschmücktes Haus errichten, das lange der Schulfarm Scharfenberg als Hauptgebäude diente. Bis plötzlich festgestellt wurde, dass es baufällig sei und unbedingt durch einen Neubau ersetzt werden müsse. Das ist dann auch 1959 geschehen; bedauerlicherweise, wie ich ausdrücklich feststellen möchte. Ich habe mir nämlich das zum Tode verurteilte, durchaus sanierungswürdige Haus kurz vor dem Abbruch gen au angesehen.

Natürlich auch die Schulfarm, die Wilhelm Blume, Studienrat am Humboldtgymnasium, auf einem Pfingstausflug 1918 in den Fläming angesichts des Schlosses Wiesenburg konzipierte und nach tastenden Anfängen zu Pfingsten 1919 in einem Waldarbeiterhaus in Stolpe und dem probeweisen Sommeraufenthalt einer Untersekunda mit drei Lehrern auf Scharfenberg während. der Monate Mai-Oktober 1921 ein Jahr später in die Tat umsetzte.

Wieweit die “erlebte und erlebbare Totalverbundenheit mit dem Boden”, die Blume einmal mit Sprangers Worten umriß, diese Robinsonade für die Jugend, pädagogisch gelungen ist, sei dem Urteil der (wie üblich nicht auf einen Nenner zu bringenden) Fachleute überlassen. Anmerken möchte ich nur, daß Charlottenburg bereits seit 1910 eine Waldschule unterhielt, Schöneberg und Wilmersdorf schon vor 1920 Gartenarbeitsschulen hatten.



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