Das Schloß Niederschönhausen ist von einem sehr reizenden Garten umgeben

Schon Friedridi Nicolai, Schriftsteller, Buchhändler und Verleger, Freund Lessings und Moses Mendelssohns, pries den Niederschönhausener Schloßpark in seinem “Berlin-Baedeker” von 1786 als “sehr reizenden Garten”, und der biedermeierliche “Spiker” von 1833 steigerte das Bei-wort auf “großartig”. Der Park hatte nämlich kurz zuvor dadurch bedeutend gewonnen, daß “der bekannte Königliche Garten-Director Lenne” .ihn nach englischen Gesichtspunkten gänzlich umgestaltete.
“Herr Lenne hat sich dieses Auftrages auf eine Art entledigt, die gleich sehr von seinem Geschmacke, wie von seiner Geschicklichkeit, Vorhandenes wohl zu benutzen, Zeugnis ablegt, und namentlich das Wasser der Panke zur Belebung mehrerer der schönsten und malerischsten Partien des Schönhausener Parks benutzt”. So lautet das Urteil des Herrn Spiker in seinem erst vor wenigen Jahren erneut als Nachdruck vorgelegten Bildband “Berlin und seine Umgebungen im neunzehnten Jahrhundert”.

Wenn seit 1833 auch viel Wasser die Panke herabgeflossen ist und die Zeitverhältnisse nach 1945 sowie der Orkan vom November 1972 den alten Bäumen des Parks nicht gerade günstig gesonnen waren, bietet er doch noch viel von dem, das einst die Berliner Kunstschüler nach Nieder-schönhausen lockte, um dort ,.die Bäume zu ärjern”. HannsFedmer, -gefeierter Porträtist der Berliner Gesellschafl: der Kaiserzeit – war mit dabei und hat uns erzählt, wie es dort zuging.
Professor Bellermann, wohlbestallter Akademielehrer für Landschafl:smalerei und Baumschlag, gab köstliche Rezepte zum Eindringen in die Technik des Bäumezeichnens.

“Ja, meine Herren, das müssen Se sich ein für allemal merken”, sagte er mit seiner krähenden Stimme, “wenn Se ‘ne Buche zeichnen wollen, denn müssen Se immer nutt-nutt, nutt-nutt, nutt-nutt machen. Dann bringen Se den Baumschlag am besten raus. Natürlich is ‘ne Tanne schwerer. Wie Se die machen, wollen Se wissen? Da machen Se einfach immer ritze-ratze, ritze-ratze, ritze-ratze. Dann sieht’s janz richtig aus nachher.”

In das Schloß kam man nicht hinein. Es fungierte als Gästehaus der DDR-Regierung und ist schon seit der Zeit, da Wilhelm Pieck hier residierte, durch eine hohe Mauer abgeschirmt. Doch war ich 1949 gelegentlich der Umbau arbeiten einmal drin und habe befriedigt festgestellt, daß man die 1936 von Schloßbaurat Schonert so behutsam und verständnisvoll restaurierten Rokokoräume unangetastet gelassen hat. Neben der Zederngalerie im Erdgeschoß, die damals ein schmuckes “Schloßcafe” barg, gibt es noch immer die “rnarrnorierte Galerie” im Obergeschoß mit ihren reichen Stuckverzierungen und – ein Glanzstück besonderer Art – die prächtige zweiarmige Treppe, deren kühn geschwungene Wangen auf elliptischem Grundriß mit kunstvoll geschnitzten Geländern bis in das oberste Geschoß führen.

Alles äußerliche Erinnerungen an die mit einem unglückseligen Temperament behaftete Königin Elisabeth Christine, Gemahlin Friedrichs 11., die hier in einer Art Verbannung 55 Sommer ihres Lebens zubrachte lind während dieser langen Zeit nur einmal vom König besucht wurde. Daß dieser bei einer anderen Begegnung nur gesagt haben soll: “Madame sind korpulenter geworden”, hat sich als Klatsch erwiesen. Auch die Behauptung, die Königin hätte das eigentliche Reich des “Philosophen von Sanssouci” nie zu sehen bekommen, stimmt nicht. Sie war zweimal in Potsdam, allerdings in Abwesenheit des königlichen Gemahls. Auch achtete der Alte Fritz streng darauf, daß ihr von Einheimischen wie von Fremden die gebührenden Ehren erwiesen wurden. Fremde Fürstlichkeiten, die den König aufsuchten, wurden bei der ersten Audienz befragt, ob sie auch schon in Niederschönhausen Besuch gemacht hätten.

Unweit des Schloßparks gibt es noch eine weitere alte Grünanlage, die jedoch aus bürgerlicher Initiative entstand. Es ist der seit 1920 Berlin gehörende Brosepark an der Dietzgenstraße. Während mehrerer Gene-rationen war er im Besitz der Geschäftsinhaber des noch bestehenden Bankhauses H. F. Fetschow. u. Sohn aus der Klosterstraße. die damals nichts von der Kapitalanlage im Tessin oder anderen schönen Gegenden im fernen Süden wußten.

Erster der Fetschow-Bankiers war ein gewisser Engel, der 1804 hier zuzog. Von ihm übernahm es Fetschows Schwiegersohn Wilhelm Brose. Bis zu seinem Tode 1870 nicht nur Freund der Kunst als stadtbekannter Bil-dersammler, sondern auch Freund der Künstler, denen er in seinem erst 1962 abgerissenen schlichten Haus eine viel gerühmte Gastlichkeit bot.

Broses Gegenüber war der Schlossermeister Hauschild aus der Stralauer Straße, der – stolz auf das Erreichte – sich 1843 von Eduard Gaertner in der Werkstatt mit den Gesellen und in der guten Stube der Wohnung mit der Familie malen ließ. Sein 1852 gebautes Sommerhaus steht noch in der Dietzgenstraße 53 Ecke Platanen straße in seltsamer Nachbarschaft zum Renaissancepalast wilhelminischer Stilprägung des einstigen Elisabeth-Christinen-Lyzeurns, der jetzt die Oberschule Friedrich List beherbergt. Im Hauschildschen Haus, das vor einigen Jahren leider die schnörkelreiche Holzarchitektur der Balkone und Portale verlor, haben das Märkische Museum (in dem die Hauschildschen Bilder hängen) und der Stadtkonservator Zeugnisse des alten Berlin in Gestalt von Möbeln, Baufragmenten und dergleichen mehr deponiert.



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