Archiv für Januar 2010

Berlin Wall

Freitag, 29. Januar 2010

The short history of the Berlin Wall from the cd of Microsoft Bookshelf

Die Sowjet-Villa am Wannsee wurde von Potsdamer Hofmaurermeister erbaut

Mittwoch, 27. Januar 2010
Potsdamer Hofmaurermeister baute die Sowjet-Villa am Wannsee
Das Vier-Mächte-Abkommen hat der Berliner Bevölkerung die Aussicht auf eine krisenfreie Entwicklung gebracht, dazu eine Reihe von längst fälligen
Erleichterungen im Reise- und Besucherverkehr. Der Sowjetunion wurde zugestanden, in West-Berlin ein Generalkonsulat zu etablieren. Aber nicht in dem
ihr seit 1927 gehörenden, 1973 abgerissenen Haus Lietzenburger Straße 86, dessen Verschwinden wohl nur die dort hausenden verwilderten Tauben
bedauerten.
Das sowjetische Generalkonsulat wurde vielmehr am Reichensteiner Weg in Dahlem untergebracht, und der Generalkonsul residiert in einer Villa in der
Amselstraße. Die Sowjetunion gab dafür ihr Haus in der Lietzenburger Straße und ihren Grundbesitz an den Gestaden des Großen Wannsees auf, von dem
die meisten unter uns bislang nichts wußten.
So ungewöhnlich ist es aber nicht, denn die USA hatten vor zwanzig Jahren ebenfalls ein 12000 Quadratmeter großes Gelände in der Herthastraße 23 Ecke
Hubertusallee gekauft, es jedoch nicht ausschließlich den hier am Hubertussee hin und wieder kampierenden Pfadfindern überlassen, sondern es 1972 dem
Land Berlin für gutes Geld abgetreten. Das projektierte Altenzentrum läßt allerdings auf sich warten.
Das der UdSSR gehörende Grundstück Am Sandwerder 1 in Wannsee liegt zwischen der Dampferanlegestelle der Stern- und Kreisschiffahrt und der
Wasserwachtstation des Deutschen Roten Kreuzes (Am Sandwerder 3). Der beiden Grundstücken gemeinsame Zaun mit “unsichtbaren” Maschen zwischen
Eisenpfosten, die antiken Bacchantenstäben nachgebildet sind, läßt den aufmerksamen Betrachter an die genauso gestaltete Umwehrung des Schlosses
Kleinglienicke denken. Und wenn man dann in den verwilderten Garten schaut und dort ein bewohntes Bauwerk des Spätklassizismus sieht
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mit einem Loggienturm, der dem Glienicker sehr ähnelt -, so weiß man Bescheid.
Der Potsdamer Hofmaurermeister Petzholtz, von dem auch die Loggia Alexandra auf dem Böttcherberg stammt, hat beide Grundstücke (Am Sandwerder 1 und
3) 1875 für zwei Leute bebaut, die sich zwar jeden Tag im Geschäft sahen, privat aber auch beieinander sein wollten. Es waren die Herren Ernst Wild
und Wilhelm Wessei, deren Lampenfabrik in der Prinzenstraße das führende Unternehmen des Berliner Petroleum-Zeitalters war.
Das Wildsche Haus ist im großen und ganzen noch so, wie es vor über 100 Jahren aufgeführt wurde, doch das von Wessei bewohnte hat der neue Eigentümer
1911 grundlegend umgebaut; zuletzt geschah das noch durch das Rote Kreuz, das es 1961 von dem Schauspieler Paul Verhoeven erwarb.
Villa Am Sandwerder 1,1972
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Die Straße “Am Sandwerder” hieß bis 1933 FriedrichKarl-Straße, was seine Berechtigung hatte; denn der Neffe Kaiser Wilhelms I. war Besitzer des Gutes
Düppel, dessen Gemarkung nicht nur die Gebiete der Zehlendorfer Ortsteile Schlachtensees und Nikolassee umfaßte, vielmehr bis an die Ostufer des
Kleinen und Großen Wannsees reichte. Erst 1898 wurde das Gelände von Wannsee eingemeindet. Auf Betreiben des preußischen Prinzen hatte man 1869 bis
1874 die Wannseebahn mit ihrem von Zehlendorf zum Schlachtensee führenden Schlenker angelegt. Durch noch völlig unbesiedeltes Wald- und Ackerland.
Doch “man wollte nicht nur einige der schönsten Gegenden in der näheren Umgebung Berlins dem großen Publikum zugänglich machen, sondern hoffte auch,
die Gründung von Sommerfrischen und ländlichen Aufenthaltsorten für den wohlhabenderen Teil der Berliner Bevölkerung zu unterstützen”.
Das gelang dann auch, und die nach der Reichsgründung ob des starken Zuzugs in Berlin herrschende Wohnungsnot tat dazu ihr übriges. Die damals noch
in Privathand befindliche “Berlin-Potsdam-Magdeburger EisenbahnGesellschaft” veräußerte die entbehrlichen Parzellen an die Herren Wild und WesseI.
Kurioserweise Interessierte sich die Deutsche Reichsbahn 1940 für das Wildsche Haus, das damals bereits 25 Jahre lang im Besitz des Kommerzienrats
Dr. h. c. Julius Gebauer war, dem die Maschinenbauanstalt und Textilveredlungsfabrik Fr. Gebauer in der Franklinstraße gehörte.
Von Gebauer hat das” Volkskommissariat für den Außenhandel der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR)” das 8300 Quadratmeter große, 65
Meter breite und 130 Meter tiefe Grundstück 1945 für zwei Millionen Reichsmark erworben, aber nie davon Gebrauch gemacht. Mietweise waren von 1950 an
die Wohn- und Studienheime des Sozialen Jugendwerks Berlin und – 1956 bis 1963 – des Hauses der Zukunft untergebracht, denen aber die Räume der als
Einfamilienhaus konzipierten Villa auf
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Seitdem bewohnen es einige Privatleute, die zwar in den selbst im Hochsommer wegen des ständigen Seewindes kühlen, im Winter eiskalten Zimmern
weidlich bibbern, jedoch die Pracht des an schönen alten Bäumen reichen Gartens und die herrliche Wasserfront zu schätzen wissen. Da die Sowjetunion
den Besitz dem Land Berlin übergab, brauchen sie ihr Tuskulum vorerst nicht zu räumen.
Auch der 1959 festgesetzte Bebauungsplan, in dem das Gelände als öffentliche Grünfläche ausgewiesen ist, konnte lange nicht realisiert werden, weil
die US-Mission ihre Genehmigung zur Inanspruchnahme des Grundstücks versagte. Jetzt soll bis 1978 der längst fällige Zugang zur Anlegestelle der
Haveldampfer verwirklicht werden, und die Teltowkanal AG will hier ein Gaststättenund Verwaltungsgebäude errichten.
Auf dem Grundstück steht – von der Straße aus deutlich sichtbar – eine aufwendige Terrassenanlage aus Sandstein mit überlebensgroßer marmorner
Borussia, die ich als ein überbleibsel der Berliner Gewerbeausstellung von 1879 identifizieren konnte. Damals war sie in Moabit ein Schaustück im
Ausstellungspavillon der “Königlichen Hof-Steinmetz-Meister Paul Wimmel & Co.” Ein Wangenstein von der Terrassenbrüstung liegt gleich einer barocken
Grabplatte im Gras, doch sind die eingemeißelte Hausmarke und die Jahreszahl 1776 nur Signum und Gründungsjahr der damals von Johann Heinrich Wimmel
in Berlin ins Leben gerufenen, noch existierenden Steinbruch- und Steinmetzbetriebe Zeidler & Wimmel, die ihre 200-Jahr-Feier gebührend mit einer
opulenten Festschrift für die Nachwelt festhielt.
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Das Vier-Mächte-Abkommen hat der Berliner Bevölkerung die Aussicht auf eine krisenfreie Entwicklung gebracht, dazu eine Reihe von längst fälligen Erleichterungen im Reise- und Besucherverkehr. Der Sowjetunion wurde zugestanden, in West-Berlin ein Generalkonsulat zu etablieren. Aber nicht in dem ihr seit 1927 gehörenden, 1973 abgerissenen Haus Lietzenburger Straße 86, dessen Verschwinden wohl nur die dort hausenden verwilderten Tauben bedauerten.

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Berlin History 3 – Dangerous Ideas 3 (of 4) – Matt Frei – BBC Documentary

Dienstag, 26. Januar 2010

Berlin History “Dangerous Ideas” & Visions of the Future Matt Frei – BBC Documentary Visions of the Future A series in which Matt Frei explores different aspects of Berlin, a city that thrives on diversity. This is the place that inspired Fritz Langs Metropolis, hosted the Bauhaus and broke away from the traditional 19th century painting style. Recorded from BBC on 10.11.2009.

Ein trauriger Rekord: Meyers Hof besaß sechs Hinterhöfe

Montag, 25. Januar 2010
Mit sechs Hinterhöfen hielt “Meyers Hof” einen traurigen Rekord
Vor vierzig Jahren erschien als Hauptwerk des kenntnisreichen Theoretikers des Städtebaus Werner Hegemann im Format und Umfang des Telefonbuchs sein ebenso glänzend wie einseitig geschriebenes “Steinernes Berlin”, das sich im Untertitel “Geschichte der größten Mietkasernenstadt der Welt” nennt. Daß die Mietkaserne eine keineswegs auf Berlin beschränkte Zeiterscheinung ist, daß es sie auch in anderen Groß- und Weltstädten gibt – so in Paris und Wien, hier sogar zahlreicher als an der Spree -, darüber ging der Autor unbekümmert hinweg. 195
Hegemann kam es in seiner vielfach bewußt verzeichneten Darstellung der baulichen Entwicklung Berlins, der versäumten Gelegenheiten und der nicht erkannten Notwendigkeiten, vornehmlich darauf an, die Sünden der preußischen Bürokratie und des wirtschaftlichen Liberalismus bloßzulegen, die nach der Reichsgründung von 1871 unsere Stadt zu einem steinernen Meer von überhohen Mietkasernen an breiten baumlosen Straßen werden ließen. Die prunkvollen, wenn auch nicht immer geschmackvollen Stuckfassaden der Vorderhäuser dieser mächtigen Wohngebäude verrieten wenig oder nichts von dem im Dunkel der Hinterhäuser herrschenden Wohnungselend; von den licht- und luftarmen, übervölkerten Wohnungen, in denen die Bevölkerung hausen mußte.
Prototyp der Berliner Mietkaserne und fast zu einem Symbol für die unglückliche Bau- und Bodenpolitik des ausgehenden 19. Jahrhunderts geworden (als die Terrainspekulanten nur ihren Profit und die Baupolizei ausschließlich den Feuerschutz im Auge hatten) ist der berühmtberüchtigte “Meyers Hof” in der Ackerstraße 132-133 auf dem Wedding. Mit sechs Hinterhöfen hielt er bis zum letzten Kriege einen traurigen Rekord. Auch mit der Zahl der auf einem Grundstück konzentrierten Bewohner stand er an der Spitze aller Berliner Wohnhäuser.
Sein “Schöpfer” war der Fabrikbesitzer Jacques Meyer aus der Köpenicker Straße, wo er neben dem Königlichen Proviantamt eine Velvetfabrik betrieb. Als Berlin nach dem Krieg mit Frankreich von den Milliarden der französischen Kriegsentschädigung profitierte und einen schnellen Bevölkerungszuwachs von durchschnittlich 40000 Köpfen im Jahr verbuchen konnte, fanden die Zuzügler zwar Arbeit und Lohn in der gewaltig aufblühenden Schwerindustrie, doch keine Wohnungen. Trotz der in den “Gründerjahren” nach 1870 ungezügelt einsetzenden Terrain- und Bauspekulation konnten nicht genug und nicht schnell genug Wohnungen gebaut werden, so daß ungezählte obdachlose Familien in öffentlichen Gebäuden untergebracht werden mußten oder sogar
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gezwungen waren, im Freien in rasch zusammengenagelten Bretterbuden zu hausen.
In dieser Zeit der Hochkonjunktur des Wohnungsbaus nahm Meyer seine Chancen wahr und ließ 1873/74 ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft und des einzelnen auf dem 5600 Quadratmeter großen Grundstück in der Ackerstraße, das nur vierzig Meter breit sich fast 150 Meter lang in die Tiefe erstreckte, nicht weniger als sechs fünfgeschossige Häuser von zwölf Meter Tiefe errichten, die durch zehn Meter schmale Höfe voneinander getrennt waren. Den Abschluß an der hinteren Grundstücksgrenze bildete ein zweistöckiges Remisen- und 197
Verwaltergebäude mit der hauseigenen Wasserversorgung und zwölf Badezellen zur freien Benutzung der Mieter. “Die Wohnhäuser werden durch einen Mittelkorridor geteilt, an dem, die überwiegend zweifenstrigen Wohnzimmer und gegenüber die zugehörigen, durchweg einfenstrigen Küchen und Kammern liegen. Jedes Haus enthält etwa 50, das ganze Grundstück demnach gegen 300 solcher Wohnungen, die mit einer Bevölkerung von mehr als 2000 Köpfen – also der Einwohnerzahl einer kleinen Stadt – besetzt sind.”
So heißt es völlig kritiklos von “Meyers Hof”, dem “Beispiel für spezifische Arbeiter-Kasernen”, in der ersten Ausgabe (1877) des vom Architekten-Verein zu Berlin publizierten Dokumentarwerks “Berlin und seine Bauten”. Baulich gesehen war für “Meyers Hof” der Architekt A. E. Witting verantwortlich.
Der heute vergessene Julius Rodenberg hat 1884 in seinen “Bildern aus dem Berliner Leben” auch “Meyers Hof” besucht und dabei folgenden Eindruck gewonnen: “In den Höfen herrscht das Leben einer Straße; Kinder spielen fröhlich umher, Werkstätten von jeglicher Beschaffenheit sind in vollem Betrieb, und Frauen, welche Grünkram und Obst feil halten, sitzen an den Ecken. Ich muß sagen, daß dies alles einen guten Eindruck machte, wie ich bei Zwielicht die Höfe durchschritt, in welchen so viele Hunderte dicht zusammenleben und dennoch einander nicht im Wege sind. Die Luft in den angemessen geräumigen Höfen war nicht schlecht, und als ich sie verließ, fingen eben die Gaslaternen an, ihr reichliches Licht in denselben zu verbreiten.”
Auch bei Rodenberg kein kritisches Wort. Das folgte erst 1896 in der zweiten Auflage von “Berlin und seine Bauten”, als Fontanes Schwiegersohn Professor Fritsch unter anderem schrieb: “Was man 110ch vor 22 Jahren der Arbeiterbevölkerung in bezug auf ihre Wohnungen glaubte zumuten zu können, zeigt in drastischer Weise der der ersten Ausgabe dieses Buches entnommene Grundriß der
198 sogenannten Meyerschen Häuser, Ackerstraße … über
die Mängel eines solchen Wohnsystems, das durchaus nicht etwa für den fraglichen Bau erfunden, sondern damals das bei Arbeiter-Miethäusern vorherrschende und hier nur im großen Maßstabe durchgeführt war, kann ein Zweifel wohl nicht bestehen. “
Dennoch ist in “Meyers Hof”, der sich bis 1922 im Besitz der Familie befand, kaum etwas geändert worden. Nur die auf dem ersten, dritten und fünften Hof befindlichen Klosettgebäude – kurioserweise konnten sie nur gemeinsam gespült werden, was der Verwalter zwei- bis dreimal am Tag veranlaßte – wurden von 1897 an sehr zögernd durch Innentoiletten ersetzt. Erst der Bombenkrieg schuf 1944 entscheidenden Wandel. Er ließ nur das in einer Art Renaissance-Palazzo-Stil fassadierte Vor:’ derhaus und das erste Quergebäude mit den Klosetthäusern auf dem Hof übrig. Wie lange noch?
Im Sanierungsgebiet Wedding unmittelbar neben der 1954 bezogenen “Ernst-Reuter-Siedlung” hat es nur bis 1973 gedauert, und die verwahrlosten Reste von “Meyers Hof” gehörten der Vergangenheit an. Das 1965 von Berlins – ältestem gemeinnützigen Wohnungsunternehmen, der Alexandra-Stiftung von 1847, übernommene Grundstück kam den Nachbarn zur Bernauer Straße hin zugute: Dem “Verein für die Armen” in der Ackerstraße 140 und dem 1865 gegründeten Lazarus-Kranken- und Diakonissenhaus, das bereits die südliche Hälfte von “Meyers Hof” erworben und mit einem Schwesternwohnheim bebaut hat. Das alte Torgitter von “Meyers Hof” wurde auf den Hof eines Neubaus der Alexandra-Stiftung in der Bergstraße 39-40 übertragen.
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Vor vierzig Jahren erschien als Hauptwerk des kenntnisreichen Theoretikers des Städtebaus Werner Hegemann im Format und Umfang des Telefonbuchs sein ebenso glänzend wie einseitig geschriebenes “Steinernes Berlin”, das sich im Untertitel “Geschichte der größten Mietkasernenstadt der Welt” nennt. Dass die Mietkaserne eine keineswegs auf Berlin beschränkte Zeiterscheinung ist, daß es sie auch in anderen Groß- und Weltstädten gibt – so in Paris und Wien, hier sogar zahlreicher als an der Spree -, darüber ging der Autor unbekümmert hinweg.

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Bismarck schickte nur seine Stiefel

Samstag, 23. Januar 2010
Bismarck schickte nur seine Stiefel
“Na, ick wünsche Ihnen, det Sie in dem neuen Haus so alt wie der olle Tizian werden, der is 99 Jahre alt geworden, und det Ihnen bis dahin det Haus nicht übern Kopp zusammenfällt!” Mit diesem treuherzigen Segensspruch entließ der Portier des “Bimmel-Dolle” gehörenden Wohnhauses Lützowufer 31 im Sommer 1874 einen seiner Mieter, der in das neuerbaute eigene Haus umzog.
Der Portier, ein biederer Schuhmachermeister, schien von der Standfestigkeit der in den Gründerjahren wie Pilze aus dem Berliner Boden schießenden Bauten keine gün-
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stige Meinung zu haben. Doch sollte er sich gründlich irren. Das damals bezogene Haus steht noch heute, und . der solchermaßen Angesprochene wurde nicht 99 Jahre alt, sondern starb 1915 mit 71 Jahren. Es war der als offizieller Maler des deutschen Kaiserreichs bekannt gewordene Professor Anton von Werner, Wirklicher Geheimer Rat und Direktor der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin mit dem Prädikat Exzellenz.
Diese glanzvolle Karriere konnte niemand ahnen, als Anten von Werner 1843 in Frankfurt an der Oder einem Tischlermeister aus einer verarmten Offiziersfamilie geboren wurde. Nach dem Schulbesuch ging er in die Lehre eines Dekorationsmalers und schwang hier tüchtig Pinsel und Bürste. Doch sein wacher Geist ließ ihn, der nach Abschluß der dreijährigen Lehrzeit als Stubenmaler von seinem Chef zum Nachfolger ausersehen war, nicht ruhen. Er ging an die Berliner Akademie und später nach Karlsruhe. Hier wurde er Schüler des aus Schwedt in der Uckermark stammenden Genremalers Adolf Schroedter und des damals hoch gerühmten (heute wieder geschätzten, und auf den Auktionen erstaunliche Preise erzielenden) Karl Friedrich Lessing, die beide zu den Mitbegründern der Düsseldorfer Malerschule rechneten.
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In Karlsruhe hatte Anten von Werner Freundschaft mit Viktor von Scheffel geschlossen und für diesen die Illustrationen zum »Ritter vom Rodenstein”, dem »Gaudeamus”, dem »T rom peter von Säckingen” und anderen kaum noch genießbaren Dichtungen geschaffen. In der badischen Hauptstadt fand er in der Tochter Malvina seines Lehrers Schroedter die Frau fürs Leben und durch Scheffel Zugang zum Hofe, der für sein künstlerisches Schaffen so verhängnisvoll werden sollte. Die badische Großherzogin Luise, eine Tochter Kaiser Wilhelms 1., ebnete Werner 1870 den Weg nach Versailles ins deutsche Hauptquartier. Dort hat er sein bekanntestes Bild gemalt, die Kaiserproklamation. Ein monumentales Geschichtsdokument, in dem alles bis auf den Uniformknopf genau stimmt, jedoch der künstlerische Impetus fehlt. Die Alteren unter uns werden sich des Bildes aus
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der Ruhmeshalle des Zeughauses (wo es als Fresko wiederholt war) erinnern, vielleicht auch der unangenehmen Tatsache, daß man es im Schulaufsatz beschreiben mußte, was einem das Bild noch unsympathischer machte.
Auch in seinen Bildnissen von “höchsten und allerhöchsten Herrschaften”, mit denen es Anton von Werner überhaupt ein Leben lang hielt, begnügte er sich mit der naturgetreuen Wiedergabe des Außeren, ohne in das individuelle Wesen der Personen einzudringen. Doch den Dargestellten gefielen sie, sie brachten Geld, die Berufung des erst 32 Jahre alten Malers zum Direktor der Akademie der Künste und die großen Staatsaufträge taten ein übriges dazu, daß Anton von Werner sich früh sein eigenes Heim errichten konnte.
Es lag in der Potsdamer Straße an einem vom AktienBau-Verein Königstadt erschlossenen “square” – dem für England oder Irland typischen grünbewachsenen Viereckplatz, den man in Paris als “eite” kannte Und schätzte – und war von der Straße aus durch eine offene Durchfahrt zugänglich. Hinter dem modernen Geschäftshaus Potsdamer Straße 81/83 des” Tagesspiegels” noch heute zu finden, ist es als Nr. 81 a eine der drei über den Krieg gekommenen von ursprünglich sechs Villen.
Es sind eigentlich mehr Reihenhäuser, die der oldenburgisehe Hofbaurat Ernst Klingenberg während der Jahre 1873/74 hier durch den Maurermeister Gregorovius aufführen ließ. Khnlich denen, die er kurz zuvor in der Genthiner Privatstraße gebaut hatte. Nur wurde im Gegensatz zu den Putzbauten der Genthiner Straße der Blankziegelbau bevorzugt und die gelbgetönten Flächen durch Architekturglieder aus Sandstein belebt.
Am Wernerschen Haus ist davon nicht viel geblieben, die Ziegel sind unter Putz verschwunden. Das Nebenhaus Nr. 81 b hat sich dagegen sein ursprüngliches Gesicht bewahrt. Der Puttenfries unter dem Hauptgesims und die mit Löwenköpfen geschmückte Dachrinne stammen allerdings erst von einem Umbau im Jahre 1887.
Bis 1958 hatte die Wernersche Villa noch ihre alte Haustür mit den Monogrammen A Wund MW in den Ziergittern. Die Inschrift “Labor gaudet 1874 A. v. W.” war schon früher verschwunden, 1938/39, als die Wernerschen Erben das Haus veräußert hatten, und der neue Eigentümer, eine Düngerhandel-Gesellschaft, vor allem im Innern einen gründlichen Umbau vornahm.
Im Hausflur hatte der als Maler nur zu fleißige Anton von Werner das Latein in den Goethespruch verdeutscht “Tages Arbeit, abends Gäste” und Könige und Fürsten in
dem damals als Sehenswürdigkeit Berlins geltenden Hause empfangen und ihnen stolz die nach seinen Entwürfen oder auch eigenhändig ausgemalten verhältnismäßig kleinen Räume des schmalbrüstigen Hauses gezeigt. Das neun mal neun Meter messende Atelier im obersten Geschoß haben die letzten drei Kaiser oft erstiegen, fast alle deutschen Bundesfürsten und viele ausländische Würdenträger. Nur Bismarck ist nicht persönlich gekommen, um wie gewünscht in Uniform mit allen Orden Modell zu stehen. Er schickte versehentlich seine großen Kürassierstiefel,
Ein Höhepunkt in Werners Leben und der bedeutsamste Moment in der Geschichte seines Hauses war die hier 1879 vom Hofprediger Fromme! im Beisein des Kronprinzenpaares und Moltkes vollzogene Taufe seines Sohnes Fritz. Werner hat den Festakt in einem Bilde festgehalten und mit der Freiheit des Künstlers viel mehr Personen in den “roten Salon” plaziert als dieser jetzt mit 24 Studienplätzen einer privaten Handelsschule ausgefüllte Raum jemals hätte aufnehmen können.

“Na, ick wünsche Ihnen, det Sie in dem neuen Haus so alt wie der olle Tizian werden, der is 99 Jahre alt geworden, und det Ihnen bis dahin det Haus nicht übern Kopp zusammenfällt!” Mit diesem treuherzigen Segensspruch entließ der Portier des “Bimmel-Dolle” gehörenden Wohnhauses Lützowufer 31 im Sommer 1874 einen seiner Mieter, der in das neuerbaute eigene Haus umzog.

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